Von der Natur lernen


Täglich erfasst uns eine Flut von Hiobsbotschaften, wenn von unserer Umwelt die Rede ist. Ob es nun um den Klimawandel, die Umweltverschmutzung oder sonstige beunruhigende Zukunftsszenarien geht. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie man diese Probleme in den Griff bekommen kann, bin ich auf einen gewissen Michael Braungart gestoßen. Braungarts Konzept Cradle to Cradle, also “Von der Wiege zur Wiege” ist so einfach wie genial.

Er hat sich die Natur als Vorbild genommen, in der “Abfall” gleichzeitig auch “Nahrung” ist und somit ein ewiger Kreislauf entstanden ist. Anschaulich beschrieben hat er dies mit dem sogenannten Kirschbaum-Prinzip. Nachdem der Kirschbaum fast schon verschwenderisch viele Blüten produziert hat und diese ihren Sinn erfüllt haben, fallen sie zu Boden und ihre Nährstoffe werden von anderen Organismen weiterverwendet.Wenn man dieses Prinzip auf Produkte überträgt, dann muß man diese so gestalten, dass nicht nur die erste Bestimmung erfüllt wird, sondern bereits bei der Entwicklung die Möglichkeiten der weiteren Verwendung der “Nährstoffe” bzw. Rohstoffe miteinbezieht.

Michael Braungart ist 50 Jahre alt und gebürtiger Schwabe, was vielleicht seine Abneigung gegenüber unnötiger Verschwendung erklärt. Als Professor für Chemie lehrt er seit Herbst 2008 an der Erasmus-Universität in Rotterdam und ist Gastprofessor an der Darden Business School in Charlottesville, Virginia. Schon in früheren Jahren engagierte sich Braungart für den Umweltschutz, er gründete 1987 die Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) in Hamburg und wirkte beim Aufbau des Bereichs Chemie von Greenpeace Deutschland mit, den er von 1985 bis 1987 leitete.

Das Cradle-to-Cradle-Prinzip basiert zwar auf dem klassischen Recyclinggedanken führt ihn aber konsequent weiter. Dazu unterscheidet er zwei Formen der Wiederverwendung, zum einen den biologischen Kreislauf und des weiteren den technischen Kreislauf.

Beim biologischen Kreislauf werden sogenannte Verbrauchsgüter nach bzw. schon während des Verbrauchs zurück in den Kreislauf gebracht. Ihre Abbauprodukte werden als ” biologische Nährstoffe ” genutzt.Typische Verbrauchsgüter sind unter anderem Gewebe und Fasern aller Art, Nahrung und kosmetische Produkte, die kompostierbar sind. Auch deutsche Unternehmen machen sich diesbezüglich Gedanken, wie man auch bei der Firma Trigema sehen kann, die ein zu 100% kompostierbares T-Shirt anbieten.

Beim technischen Kreislauf werden sogenannte Gebrauchsgüter, die im Gegensatz zu den Verbrauchsgütern, während oder nach ihrer Nutzung noch intakt sind, durch einfache chemische oder mechanische Prozese so behandelt, dass man ihre “technischen Nährstoffe” zurück gewinnt. Erste erfolgreiche Beispele sind, der Bürostuhl Think von der amerikanischen Firma Steelcase, dessen Stoff zu 100% kompostierbar ist und alle weiteren Bestandteile sinnvoll wiederverwendet werden können. Aber auch die Idee des weltgrößten Teppichherstellers Shaw in den USA sorgt für allgemeines Erstaunen.

Er möchte seine Teppiche in Zukunft nicht mehr verkaufen, sondern diese wie eine Dienstleistung “verleihen”, um sie nach Gebrauch zurück zu nehmen und ihre “Nährstoffe” bzw. Rohstoffe zu nutzen und daraus neue Produkte zu fertigen. Diese Art der Wiederverwertung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, birgt allerdings ein immenses Potential.

Die Notwendigkeit unsere Produkte intelligenter und vorausschauender zu gestalten, steht im Widerspruch zu unserer jetzigen Einstellung, die ausschließlich den angerichteten Schaden in einem gewissen Rahmen wieder gut zu machen versucht. Leider gibt es auch zwar gut gemeinte aber unsinnige Versuche, wie z.B. Toilettenpapier aus Recyclingpapier. Dabei entsteht so viel Kohlenwasserstoff, dass “ein Kilo Toilettenpapier 30 Millionen Liter Wasser über den Grenzwert belastet” (Biorama, Ausgabe .8) und der entstandene Klärschlamm ist so stark verseucht, dass er verbrannt werden muß. An diesem Beispiel wird klar, dass ein vermeintlicher Stoffkreislauf in Wahrheit ein unterbrochener Kreislauf ist indem die wertvollen “Nährstoffe” verloren gehen.

Außerdem schlägt Braungart im Rahmen der Energiekrise vor, sich stärker auf eine quasi unerschöpfliche Energiequelle, die Sonne, zu konzentrieren. Auch dort hat er sich an der Natur orientiert, denn nicht nur Solarenergie (Photovoltaik) sondern auch Windkraft, die durch Thermik als Folge des Sonnenlichts erzeugt wird, und Biomasse, die in Pflanzen gespeicherte Sonnenenergie ist, sollten stärker genutzt werden.

Denn mit der Sonne als Energielieferant und dem neuen Denkansatz Produkte von vorneherein so zu gestalten, dass ihre wertvollen “Nährstoffe” für den ewigen Kreislauf erhalten bleiben ist womöglich die beste oder vielleicht die einzige Art und Weise unseren Planeten und unsere Gesellschaft für die Zukunft zu sichern.

Quelle: UNBEKANNT
Übernommen von: http://www.driftsethe-gegen-deponien.de

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